Selbsthilfegruppe „Neurodivergenz - Bunt gemischt“

Treffpunkt: In der Rotunde, Hubertushöhe 14 in Nideggen Schmidt,

Jeden2ten Dienstag im Monat um 18:30. 

Geschichten aus dem Alltag

Mein Sohn ist neun Jahre alt, Autist – und er besucht die freie Schule Eifel.

Vor einiger Zeit geschah etwas, das für viele vielleicht eine Kleinigkeit wäre, für ihn jedoch eine tiefe Erschütterung bedeutete: Sein Freundebuch wurde aus dem Spind genommen, Seiten wurden herausgerissen. Dieses Buch war für ihn ein Schatz – ein Ort von Erinnerungen, von Zugehörigkeit, von kleinen, sicheren Verbindungen. Als er es zerstört vorfand, brach etwas in ihm auf. Er war verzweifelt, verletzt und wütend.

Und dann tat er etwas unglaublich Mutiges.

Er stellte sich in den großen Gemeinschaftskreis – eine Situation, die ihn normalerweise stark überfordert – und sprach vor allen. Mit zitternder Stimme, mit Tränen im Gesicht, mit all seiner Anspannung und seinem Mut. Er ließ die anderen sehen, wie sehr ihn das getroffen hatte. Er zeigte sich. Echt, verletzlich, offen.

Eine Mitschülerin trat zu ihm, reichte ihm ein Taschentuch und sagte, wie leid es ihr tut. Diese kleine Geste war so groß. In diesem Moment war er nicht allein.

Seine Lernbegleitung rief mich an und bereitete mich darauf vor, da solche Erlebnisse bei ihm oft zu starken Wutausbrüchen oder Meltdowns führen. Ich fuhr mit einem Knoten im Bauch zur Schule.

Als ich ihn abholte, fragte ich vorsichtig, wie es ihm gehe.

Er erzählte mir, was passiert war – in seiner ganz eigenen, klaren Sprache: „Meine Augen haben gedrückt, sich mit Flüssigkeit gefüllt und dann ist Wasser herausgelaufen. Das nennt man weinen, Mama.“Und dann erzählte er von dem Mädchen, das ihn getröstet hatte.Ich fragte ihn, wie er sich jetzt fühle. Er legte seine Arme um seinen Brustkorb, drückte sie fest zusammen und machte sich ganz rund. Dieses Bild – so körperlich, so ehrlich – sagte mehr als tausend Worte. „Mein Schatz“, sagte ich, „du bist traurig und hast geweint. Und wütend bist du wahrscheinlich auch.“

Er nickte. „Ja.“

In der darauffolgenden Woche wählte er aus eigenem Antrieb ein Lernangebot zum Thema Gefühle. Er ging noch einmal in diese Situation hinein, sprach darüber, ordnete ein, verarbeitete. Schritt für Schritt. In seinem Tempo. Und genau das ist es, was ich an dieser Schule so sehr liebe. Dieser Umgang miteinander. Dieses Auffangen. Dieses Ernstnehmen. Für meinen Sohn ist es ein sicherer Ort. Ein Ort, an dem er sich zeigen darf, mit all seinen Gefühlen. Ein Ort, an dem er wachsen darf – nicht trotz seiner Andersartigkeit, sondern mit ihr.

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